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Landwirtschafts-Simulator 2013 (Simulation) – Landwirtschafts-Simulator 2013

Bauer sucht Konsole: Nachdem Astragon schon seit einigen Jahren versucht, den PC-Spielern das Leben eines Landwirts näher zu bringen, rattern Traktoren, Mähdrescher & Co mit einer saftigen Verspätung jetzt auch auf der Xbox 360 und PS3. Ist die Umsetzung eine Bereicherung für die Konsolenwelt oder wünscht man sich, Sony und Microsoft hätten den Machern nie die Erlaubnis für die Simulations-Invasion erteilen sollen?

© Giant-Software GmbH / Astragon / Focus Home

Kollisionsabfrage: Totaaaaal überbewertet

Für Zusatzgeräte wie Anhänger, weitere Traktoren oder Aufsätze muss man lange sparen.
Für Zusatzgeräte wie Anhänger, weitere Traktoren oder Aufsätze muss man lange sparen. © 4P/Screenshot
Weiter geht’s mit der kaum vorhandenen Kollisionsabfrage, bei der man einfach durch die wenigen Inzest-Passanten oder dicke Sträucher hindurch fährt. Immerhin: An den meisten Bäumen und Häusern greift die Kollisionsabfrage genauso gut wie an den unsichtbaren Grenzen der relativ großen Karten, bei denen man immer noch keine Wegpunkte setzen darf – top! Und noch eine lustige Geschichte: In regelmäßigen Abständen werden Missionen angeboten, sofern man die Option in den Einstellungen aktiviert hat. Diese laufen meist nach dem Prinzip „Bringe Ware von Punkt A nach Punkt B“ ab, orientieren sich dabei aber überhaupt nicht an der aktuellen Situation, in der ich mich gerade befinde. So sah mein erster Auftrag vor, dass ich eine Palette aufnehme und innerhalb einer knappen Zeitlimits ans Ziel befördere. So weit, so gut. Allerdings befand sich weder der nötige Gabelstapler-Aufsatz noch das entsprechende Vehikel in meinem Besitz. Kostenpunkt: knapp 25.000 Euro – bei einem aktuellen Budget von ca. 6.000 Euro. Aber ich habe mich auf das Spielchen eingelassen und einige meiner Start-Traktoren verkauft, um mir die Ausrüstung leisten zu können. Beim Versuch, die Gabeln anzukoppeln, passierte mir das Missgeschick: Ich habe sie berührt und den Aufsatz aus Versehen leicht umgestoßen. Danach hatte ich weder die Chance, das blöde Teil anzukoppeln noch konnte ich es irgendwie wieder aufrichten. Einzige Lösung: Ich musste die Neuware für die Hälfte des Anschaffungspreises wieder verkaufen und mir einen neuen Gabelaufsatz bestellen. Ja, so macht Landwirtschaft Spaß!

Geht es noch hässlicher?


Eigentlich glaubt man zu Beginn, dass die Menüs an Hässlichkeit kaum noch zu überbieten sind. Doch sobald man zum ersten Mal frei die ländliche Kulisse erforschen darf, wird schnell klar: Schlimmer geht immer! Meine Güte, wie kann man im Jahr 2013 den Käufern eine so dermaßen miese Grafik und Technik zumuten? Schon als „Standbild“ führt die leblose Kulisse mit ihren detailarmen Feldern, Fachwerkhäusern und grob modellierten Maschinen zu ersten Brechreizen.

Jedes Vehikel verfügt auch über eine Innenansicht.
Jedes Vehikel verfügt auch über eine Innenansicht. © 4P/Screenshot
Doch kommt erst Bewegung ins Spiel, offenbart sich das ganze Ausmaß der Technik-Katastrophe: Die Bildrate geht ständig in die Knie, das starke Kantenflimmern brennt sich in die Augen und jeder Meter vorwärts wird von abartigen Pop-ups begleitet, die man selbst in der Psone-Ära besser im Griff hatte. Zusammen mit der fehlerhaften Kollisionsabfrage und fürchterlichen „Fahrphysik“ ist der Landwirtschaftssimulator damit ein Paradebeispiel, was man im Technikbereich alles falsch machen kann. Ach, nehmen wir den Sound doch gleich auch noch mit dazu: Die Aufnahmen der Motoren und anderer Geräusche  wirken durch die Bank billig und man hört deutlich, dass hier nur kurze Schleifen der Samples abgespielt werden. Einen Unterschied zwischen Cockpit- und Außenansicht hört man selbstverständlich nicht. Radios oder MP3-Player sind im Rahmen der virtuellen Landwirtschaft scheinbar ebenfalls verpönt. Wer will auch angesichts dieser wunderbaren Ratter-Toktok-Dauerschleifen noch Musik hören?