Wahlweise alleine oder mit einer kleinen Gruppe Monster plätten und dann mit den erbeuteten Rohstoffen neue Waffen bzw. Rüstungen schmieden: Mit diesem simplen, aber erprobtem Kreislauf hat sich nicht nur die Monster-Hunter-Serie eine feste Fangemeinschaft gesichert. Auch Spiele wie God Eater 2, das dank Bandai Namco eineinhalb Jahre nach seiner Fernost-Premiere auch hierzulande als „Rage-Burst“-Edition erscheint, setzt auf dieses Konzept. Ob sich die Wartezeit gelohnt hat, klären wir im Test.
Zusätzlich kann man mit dem „God-Eater“-Angriff, der in der Frühphase vergleichsweise lange zum Aufladen braucht, aber später nicht nur schneller vonstatten geht, sondern auch am Komboende oder nach Sprüngen eingesetzt werden darf, den Gegnern nicht nur schweren Schaden zufügen. Zusätzlich entnimmt man ihnen dabei Sonderfähigkeiten, die man temporär einsetzen kann. Als weiterer Nebeneffekt zwackt man den Viechern darüber seltene Rohstoffe ab, die man zur Herstellung oder Verbesserung von Waffen verwenden kann. Das wiederum ist ein massiver inhaltlicher Fokuspunkt, da man nur über die Herstellung neuer Waffen und Ausrüstung seine Figur entscheidend aufwerten kann. Zusammen mit Ausweichschritt, Konteroption (wenn man den Schild im letzten Moment ausfährt), Sprint und Sprung sowie nicht zu vergessen der reichhaltigen Auswahl an Gegenständen, die man nutzen kann, wie z.B. Fallen, Granaten etc., hat man genug Möglichkeiten zur Verfügung, um die Aragami in Schach zu halten. Da man im weiteren Verlauf auch die einzelnen Team-Mitglieder ausrüsten und mit Fähigkeiten bestücken kann, hat man so die Option, eine sich auf dem Feld der Ehre ergänzende Truppe zu basteln, denen man ad hoc auch etwa ein Dutzend Befehle zuweisen kann. Schade ist allerdings, dass die Missionen traditionell fast alle nach Schema F ablaufen und nur durch die Größe der gegnerischen Viecher und deren Anzahl variiert.
Doch viel schwerwiegender ist folgendes Problem: Die nur wenigen knappen Einstiegsabschnitte, die als rudimentäres Tutorial fungieren, lassen viele Fragen offen und befassen sich nur mit grundlegenden Mechaniken. In der umfangreichen Datenbank kann man zwar umfassende Erklärungen für viele weitere Funktionen finden. Doch diese sind nur in textueller Form vorhanden, aber immerhin mit Beispielvideos ergänzt. Ein Ersatz für ein dringend notwendiges interaktives Tutorial sind diese Erklärungen allerdings nicht. Um die zahlreichen Möglichkeiten ins motorische Gedächtnis zu übernehmen, wären praktische Anwendungen deutlich hilfreicher. Doch ausgerechnet damit spart God Eater 2. Und das ist angesichts der umfangreichen Verzahnung und Abhängigkeiten von Gefechten, Rohstoffgewinnung und Verarbeitung derselben ein schweres Versäumnis. Entdeckt man durch Probieren oder mitunter puren Zufall jedoch, wie alles miteinander verknüpft ist und wie man alle Mechaniken zu seinem Vorteil ausnutzen kann, entwickelt auch Rage Burst die Sogwirkung, die von Spielen wie Monster Hunter & Co ausgeht. Natürlich umso mehr, wenn man mit einem Trupp rein menschlicher Spieler antritt, wodurch die Gefechte eine zusätzliche dynamische Facette erhalten.
Im Gegensatz zu anderen Monsterjagden greift Rage Burst auf eine zwar mit klischeehaften Figuren gefüllte, aber dennoch interessant erzählte Geschichte zurück – die allerdings auch erst etwas spät in Gang kommt, dann aber mit den üblichen Themen wie Freundschaft, Loyalität, Verrat etc. für erzählerische Spannung sorgt. Doch hier zeigt sich abermals, dass God Eater 2 seinen Ursprung auf Handheld-Systemen hat. Denn nicht nur die Kulisse bleibt über weite Strecken den PS4-Beweis schuldig. Auch die häufig nur als Texttafeln vorhandenen Erzählschnippsel hätten von einer durchgängigen Sprachausgabe profitiert. Das ist jedoch nur Schlüsselszenen vorbehalten, die sich hinsichtlich der aufgebauten Atmosphäre umgehend von den reinen Textsequenzen absetzen. Die Funksprüche während der Kämpfe hingegen darf man sich alternativ aus dem Pad-Lautsprecher zu Gemüte führen.