For Stichpunkt
Erinnert sich jemand an Mechwarrior? Das waren noch Zeiten! Als Mechs noch Mechs waren. Als noch schwerfällige Metallgiganten durch die düstere Zukunft stampften. Als man noch massive Gefechtsstationen in den behäbigen Kampf führte. Die Japaner nehmen die Sache mit der Trägheit hingegen nicht so genau: Fernöstliche Mechs brausen dank riesiger Turbinen im Eiltempo durch die Wüste, übers Meer oder an verlassenen Städten vorbei. Richtig: Das ist weder neu noch kommt es dem Anime-Kenner seltsam vor. Aber irgendwie will der entscheidende
| [GUI_FLVPLAYER(width=300,height=188,STREAMINGID=24273,image=http://static.4players.de/premium/ContentImage/50/98/103368-bild.jpg)] Gigantische Kampfkolosse & brachiale Action: Dieser Trailer zeigt das bildgewaltige Intro – und damit leider auch schon den visuellen Höhepunkt. |
Es liegt aber nicht nur an der Steuerung; vor allem die antike Umgebung hat immer wieder meine Illusion zerstört. Wenn ein Hochhaus wie ein Hochhaus wirken soll, muss es mit entsprechend vielen Details gezeichnet werden. Armored Core (AC) hinkt allerdings selbst in der zweiten Ausgabe auf aktuellen Konsolen den technischen Möglichkeiten meilenweit hinterher. Das fängt bei den durchgehend grau-braunen Gebäuden (lediglich die ständig gleichen Fensterreihen sind als Details zu erkennen) an, geht bei den meist einfarbigen Innenräumen großer Fabriken oder Stationen weiter und hört bei gegnerischen Einheiten aus der PS2-Steinzeit nicht auf. Den Vogel schießt die PS3-Version ab, bei der das Bild fast einfriert, wenn man eine große Explosion beobachtet. Das ist nie spielentscheidend, es ist zum Glück „nur“ ein technisches Armutszeugnis. Daran ändert das ansehnliche Meer ebenso wenig wie die Tatsache, dass nahezu die komplette Umgebung zerstörbar ist. Nein, den Traum vom Mech-Piloten träume ich lieber nachts weiter. For Answer dient mir nur als Stichpunktgeber.
Imposante Dimensionen
Und immerhin steht eine Hand voll richtig guter Ideen auf dem Notizzettel! Ein Vorgeschmack? Mit über 2000 Sachen fegt mein an einen Raketenantrieb geschnallter AC (der Titel steht für die offizielle Bezeichnung der Mechs) über die Wüste. Aus der Ferne zischen gleißende Lichtbälle rechts und links an mir vorbei, hin und wieder muss ich dem Artilleriefeuer mit einem kurzen Schub nach links oder rechts gezielt ausweichen. Etwa eine halbe Minute lang rase ich auf mein Ziel zu, als sich plötzlich eine gigantische Silhouette aus dem staubigen Horizont schält. Stück für Stück nimmt der Koloss Gestalt an – und entpuppt sich als sechsbeiniges Ungeheuer, auf dessen Plattformen eine Großstadt Platz finden könnte.
Der Treibstoff meines Raketenantriebs erlischt. Das so genannte VOB wird automatisch abgestoßen und ich zünde meinen eigenen Boost, um mich weiter dem Ziel zu nähern. Die gigantische Kampfstation verstärkt das Artilleriefeuer, während sie sich behäbig durch den Wüstensand quält. Etliche Batterien drücken außerdem bedrohliche Missile-Schwärme langsam in den Himmel – bevor die weißen Schweife abknicken und meine Peilung aufnehmen. Ich schalte von schnellen Geschützen auf schwere Raketen um und zünde die Lufttriebwerke, um dem Monster auf Augenhöhe zu begegnen. Der Kampf kann beginnen…
Einöde
Es ist nicht einmal das finale Duell, mit dem For Answer diesen frühen Höhepunkt schafft. Und obwohl die folgenden Auseinandersetzungen diese Schlacht nicht mehr toppen werden: Es gibt weitere Kampfstationen und ähnlich beeindruckende Momente, die dem recht ausgetretenen Roboter-Kampf eine ganz neue Dimension verleihen. Auch wer den Reaktor im Innern einer fahrenden Verteidigungsmauer zerstören muss oder seinen flinken Gegnern Raketenschwärme um die Ohren wirft, während er über einer Wolkenstadt feindlichem Feuer ausweicht, erlebt erhabene Momente. Das Adrenalin schnellt in die Höhe, die Musik schafft mit den Klängen des synthetischen Orchesters einen melancholischen Kontrapunkt – es ist bedauerlich, wie vehement solche, auch grafischen aufregenden Höhepunkte in der veralteten Präsentation und den völlig einfallslosen Missionen untergehen.



